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Gespräch mit einem Zeitzeugen des Nationalsozialismus

 

Am Mittwoch, den 13. November, fand in der ehemaligen jüdischen Schule eine Begegnung von Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs mit Albrecht Weinberg statt.

In einem 90-minütigen Gespräch schilderte der 94 Jahre alte Mann sehr eindrücklich seine schlimmen Erfahrungen während des Nationalsozialismus.
"Ich habe eine glückliche Kindheit in Rhauderfehn verbracht.", erzählte Herr Weinberg. „Wir waren Bürger wie unsere Nachbarn.“ Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, änderte sich das alles abrupt. Die jüdische Familie war antisemitischer Hetze, Entrechtung und Enteignung schutzlos ausgeliefert.
Ihn als Kind traf es besonders, dass Freunde nicht mehr mit ihm spielten und es 1936 sogar die Schule wechseln musste: Von diesem Zeitpunkt an wurde es mit 27 anderen jüdischen Kindern dort unterrichtet, wo heute die Gedenkstätte "Jüdische Schule" ist. Sie befindet sich direkt neben dem Ubbo-Emmius-Gymnasium. Die Gymnasiasten damals beschimpften und bespuckten die jüdischen Kinder auf dem Weg zu ihrer Schule, und sie bewarfen sie sogar mit Steinen, erinnerte sich Herr Weinberg.

Im April 1943 wurde Albrecht Weinberg ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, später ins Lager Mittelbau-Dora und ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo er 1945 schließlich von den Briten befreit wurde. Viele Jahrzehnte lebte er danach in New York, bevor er im hohen Alter nach Ostfriesland zurückkehrte.

Wie verarbeitet ein Mensch solch unmenschliche Erfahrungen von zehrendem Hunger, Krankheit, Kälte oder Todesangst? Wie ist das Verhältnis zu anderen Deutschen nach einer solchen Zeit? Diese und andere Fragen stellten ihm die Schülerinnen und Schüler. Er beantwortete alles sehr offen und zeigte sogar die eintätowierte Gefangenennummer auf seinem Unterarm. Der 94-Jährige, der trotz allem humorvoll geblieben ist, gab zu, dass ihm die letzten Tage sehr zu schaffen gemacht hätten. Am 9. November hatte er an der Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom von 1938 teilgenommen und sich an die Nacht erinnert, in der in Leer – wie in anderen deutschen Städten – die Synagoge brannte und schließlich zerstört wurde

Er hoffe, so Herr Weinberg später bei einem Teetrinken im UEG, dass auf dem ehemaligen Grundstück der Synagoge ein öffentlich sichtbarer Ort des Gedenkens entstehe.

Hier sind einige Eindrücke vom Treffen mit Albrecht Weinberg:

 

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Hier sind einige persönliche Gegenstände von Albrecht Weinberg:

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